kaddls kitchen – on bord (6): Was essen wir da eigentlich? Über Plastik im Meer

*** Ein Gastbeitrag von Lieblingssmutje Kaddl ***

Jetzt kommt er doch noch, der kleine erhobene Zeigefinger, der Eintrag, der ein bißchen nachdenklicher ist. Meine Beiträge sind ja Urlaubsgrüße, die gute Laune machen sollen und Lust auf Meer. Deshalb habe ich noch nichts geschrieben von Delfinen, die in Thunfischnetzen verenden, Rindfleisch aus Massentierhaltung und mit Antibiotika gefütterten Hühnern. Aber leider, leider muss jetzt doch noch ein ernstes Thema angeschnitten werde: Plastik im Meer und an Stränden.

Tolle Vorbilder in traumhafter Bucht

An einem Abend haben wir Anker und Landleinen mal wieder in einer wunderschönen Bucht gelegt. Eingefasst von Bergen, an deren Hängen zwischen den Olivenbäumen Felsen und Ziegen hervorlugten. Letztere hörten wir immer wieder blöken. Eine traumhafte Kulisse also – wäre da nicht so viel angeschwemmter Müll an Land gewesen… Im Sonnenuntergang kam auf einmal ein Segelboot sportlich schnell in die Bucht gefahren, zielstrebig steuerte die Crew den Strand an und legte dort gekonnt an. Zwei sprangen von Bord, machten die Landleinen an Bäumen fest und begannen sofort am Strand Müll einzusammeln. Eine hervorragende Idee, wie wir fanden. 

Auf zum Müllsammeln!

Offensichtlich hatte mich die Aktion der anderen Crew beeindruckt. Mit zwei Müllbeuteln in der Hand begab ich mich am nächsten Morgen an Land. Ein Müllcontainer und eine Schaufel wären wohl besser gewesen. Erschreckender Weise waren die Müllbeutel sehr schnell voll und lange noch kein Ende des Mülls in Sicht. War ich anfangs noch hochmotiviert und gut gelaunt, als ich die ersten Plastikteile heldenhaft in meinen (Plastik-)Müllsack steckte, so änderte sich meine Stimmung mit jedem weiteren Teilchen, bis ich mich am Ende eher traurig fühlte. So viel Plastik, auf so einem kleinen Stückchen Ufer. Ich will gar nicht daran denken, wie viel Müll in unseren Meeren schwimmt, in den Mägen von Fischen, Walen, Schildkröten und Seevögeln landet und ihnen am Ende vielleicht ihr Leben kostet. 

Sandspielförmchen, Strohhalme und Mikroplastik 

Die drei Strohhalme, die ich fand, waren noch fast wie neu, genauso wie der “Schatz”, der unter einer halb verrotteten Plastiktüte hervorleuchtete: ein knallrotes Sandspielförmchen in Form eines Flugzeugs. Zwischen angeschwemmtem Seegras war allerdings auch so viel kleinteiliges Plastik, dass ich es gar nicht einsammeln konnte. Die Plastiktüten waren teilweise so dünn, dass sie mir zwischen den Fingern zerfielen und sich wahrscheinlich umso schneller in Mikroplastik verwandeln würde. Mikroplastik, das dann im Meerwasser schwimmen wird, ist zu klein, um mit bloßem Auge gesehen zu werden. Die Fische werden es essen. Wir werden die Fische essen. Schon ist es in unserem Blutkreislauf und gelangt wahrscheinlich durch die Muttermilch auch schon in die Körper unserer kleinsten Crewmitglieder. Müll gehört in die Tüte!

Genug der ernsten Worte! Das hier ist ja immer noch ein Urlaubsbeitrag und natürlich freuen wir uns alle schon riesig auf die Fischplatte heute Abend im Restaurant. Aber vielleicht denkt ihr bei eurem Segeltörn ab und an an diesen kleinen Beitrag und habt nicht nur Trockenhefe im Gepäck, sondern auch ein paar Mülltüten extra mit dabei für gestrandetes Plastik. In diesem Sinne:

Plastik ahoi!

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